Ludwig Fienholds Kolumne mit BISS
29.11.2008 09:59
Neue Frankfurter Presse
Fesche Früchtchen, die morgens betören
Fast ein kleines Wunder, dass es einen Ketchup für Feinschmecker gibt. Simone Schmitt ist dieses Kunststück gelungen. Aus Bio-Tomaten, braunem Zucker. Bioapfel-Essig, frischem Ingwer und Gewürzen wie Sternanis hergestellt, wird diese Wunderwürze in Flaschen abgefüllt und gehört zu den erfreulichsten kulinarischen Neuheiten in diesem Jahr. Diese rote Mixtur hat nichts mit den üblichen Industrie-Tunken gemein und wurde auf den Namen Ketchup No. 2 getauft. Weil sie erst beim zweiten Versuch als gelungen akzeptiert wurde.
In «Mama´s Factory» in Wiesbaden werden aber noch andere Leckereien hergestellt. In der Vorweihnachtszeit arbeitet der Ein-Frauen-Betrieb unter Hochdruck, denn die allesamt in aufwendiger Handarbeit erzeugten und liebevoll verpackten Viktualien sind als Geschenke gefragt. 30 verschiedene Produkte sind im Sortiment.
Unter den Fruchtaufstrichen ist der aus Mango, Kokos und Limette der Absatzrenner. Selbst Marmeladen-Muffel und Konfitüren-Feinde werden die sehr gelungene Kombination aus Himbeere mit roter Bete lieben. Ein Geniestreich – und nicht nur für Frankfurter ein zwingender Genuss – ist der Fruchtaufstrich aus Apfelwein mit Waldmeister. Den löffelt man sogar pur aus dem Nostalgie-Gläschen. Simone Schmitt hat aber ein fabelhaftes Rezept: Bauernbrot mit gesalzener Butter, Fruchtaufstrich aus Apfelwein und Waldmeister, belegt mit Handkäs´-Stücken und Frühlingszwiebeln.
Köstlich ist auch die Verschmelzung von Birne, Vanille und Zimt (70 Prozent Früchte, Zimt, Bourbon-Vanille, Zucker, Zitronensaft, Pektin als Geliermittel). Probiert haben sollte man außerdem Holunderbeere mit Apfel, Erdbeere mit grünem Pfeffer sowie Tomate mit Limette. Die Fruchtaufstriche sind delikat im Geschmack, elegant in der Konsistenz, leicht und nicht so pappig wie viele Marmeladen. Sie passen je nach Sorte wunderbar zu Croissants, Brötchen, Brot, aber auch zu Käse. Simone Schmitt liebt alle ihre Produkte, doch noch einen Tick mehr die Johannisbeere mit Vanille.
Die quirlige Wiesbadenerin hat ihre «Früchtchen» auch mit Kindern getestet, wobei sie außerdem mit ihren erwachsenen und geschmacksgeschulten Söhnen immer wieder Proben durchzieht.
Der neueste Coup der Früchte-Mama, die Weihnachtsmarmelade, ist eine Komposition aus Bratapfel, Rum-Rosinen und Marzipan. Am Entstehen sind gerade ein spezieller Rotweinessig und Feigensenf. Im Sommer werden für die Brotaufstriche frische Früchte verarbeitet, im Winter gefrorene. Die hausgemachte Feinkost wird aus besten Grundprodukten hergestellt und ist frei von künstlichen Zusatzstoffen. Selbst beim Apfelwein wird nicht irgendeiner verwendet, sondern der gute Schoppen vom Elisabethenhof in Unterliederbach. Flüssiges hat Mama´s Factory ebenfalls anzubieten. Der Nuss-Trunk, ein Aufgesetzter von grünen Walnüssen, Weinbrand, braunem Rohrzucker sowie Gewürzen und Kräutern, kommt in einer schönen Flasche mit Metall-Etikett daher. Der selbst gemachte Eierlikör hat es noch mehr in sich, schmeckt himmlisch sahnig und besteht aus pasteurisiertem Eigelb, Puderzucker, Vanille und Wodka.
Simone Schmitt vertreibt ihre Delikatessen über ihren Online-Shop im Internet, auch auf Messen, beim Backhaus Bürger in Wiesbaden und im Feinkostgeschäft Braun-Eisenacher in Rüsselsheim. Ihre höchst individuelle «Factory» besteht erst seit sechs Monaten und ist inzwischen als Marke vom Patentamt in München geschützt.
Alle Erzeugnisse sind nach eigenen Rezepten entstanden, ausgenommen Oma Annas Zwetschgenmus. Dessen Rezept dachte sich die Großmutter von Ehemann Harald Schmitt aus. Überhaupt, Harald Schmitt. Er ist in der Gourmet-Szene eine bekannte Größe, ein Hochbegabter als Witzigmann-Schüler und leidenschaftlicher Koch. Seit Jahren ist er als Wirtschaftsdirektor für das noble Hotel Nassauer Hof in Wiesbaden tätig.
Mama´s Factory, Wiesbaden, Telefon 0611/540 211. http://www.mamas-factory.de
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