Wiesbadener Tagblatt VORORT – von Ingeborg Toth
15.01.2009 11:10
Wie früher, aber mit besonderem Pfiff
Simone Schmitt aus Sonnenberg ist mit „Mama’s Factory“ und selbst gekochten Marmeladen sehr erfolgreich. In ihrer Küche in der Kaiser-Wilhelm-Straße macht Simone Schmitt aus handverlesenen Früchten Marmelade - das Konzept von „Mama’s Factory“ kommt ausgezeichnet an.
Sonnenberg Hausgemachte Marmelade aus handverlesenen Früchten: Simone Schmitt kocht sie in ihrer Küche in der Kaiser-Wilhelm-Straße – „Mama’s Factory“. Ob Sauerkirsch mit Schokolade oder Mango, Kokos und Limette – die Kundschaft reißt sich darum. Von Ingeborg Toth
Birnen der Sorte Abate Fetel vom Obsthof in Geisenheim, besonders groß und in typisch länglicher Flaschenform, liegen auf dem Küchentresen. Im Hintergrund stehen schon die zierlichen Gläser bereit. Ein Nostalgieglas aus den 1950er Jahren, in der Münchner Josefstraße entdeckt: „Ein bisschen teurer als die normalen Sechseckgläser.“ Vanilleschoten und Zimt hat Simone Schmitt daneben gelegt – ein Stillleben, zum Malen schön. „Eigentlich sind das keine Marmeladen, die ich mache“, sagt die Jung-Unternehmerin. „Es sind Fruchtaufstriche.“ Aromen liefert nur die Natur. Deswegen schmeckt alles aus Mama´s Factory so wie zu Zeiten, in denen es noch keine synthetisch hergestellten „naturidentischen“ Aromastoffe gab.
Angefangen hat das Abenteuer ganz simpel. Harald Schmitt, gelernter Koch und Herr über die Gastronomie im Hotel Nassauer Hof, brachte seiner Frau Obst mit. Immer überreif. Für die Deko von Desserts nicht mehr geeignet. Aber super lecker. Seine Frau überlegte nicht lange und brachte das Obst ins Glas. Bis sich alle Jahreszeiten in den Gläsern wiederfanden. Im Vier-Personen-Haushalt der Schmitts wurde ab sofort noch genussvoller gefrühstückt, jeden Tag Sonntagsfrühstück. Ab und zu wurde auch mal ein Gläschen verschenkt. Vor einem halben Jahr befanden die Söhne, 20 und 23, Mama müsse die Produktion ihrer Fruchtaufstriche professionell angehen. Und ihr Produkt, das sich gegenüber Konfitüren, Marmeladen und Gelees durch viel mehr Fruchtgehalt auszeichnet, verkaufen. Übers Internet.
„Den Namen `Mama´s Factory´ hat sich mein Mann ausgedacht. Wir haben ihn schützen lassen, beim Patentamt.“ Es ist ein wirkliche Marke daraus geworden. Die Idee war, etwas „wie früher“ herzustellen – Produkte, die aber gleichzeitig einen besonderen Pfiff haben sollten. Wie die Kombination Ananas mit langem Pfeffer. Der war schon den Griechen bekannt und bei den Römern beliebt, wegen seiner Schärfe, die eine süßliche Note hat. Wo es langen Pfeffer gibt? „Natürlich beim Gewürz-Müller in der Mühlgasse. Da gibt es alles – ein Gewürzparadies.“ Spätestens an dieser Stelle ahnt man, welche Mühe sich Simone Schmitt beim Einkaufen macht.
Für ihren „tollsten Knüller“, ihren Ketchup, holt sie sich Biotomaten in Klarenthal bei der Gärtnerei Traute. Die Eierfrüchte bleiben so lange am Strauch, bis sie die nötige Reife für die Würzsauce haben. Der Strunk muss allerdings noch ein bisschen grünlich sein. Brauner Zucker gibt zusätzlich Süße. Kommt Essig rein? Simone Schmitt will nicht zu viel verraten. Nur das: Der erste Versuch begeisterte die kritischen Söhne nicht. Erst beim zweiten waren sie rundum zufrieden mit dem Produkt aus Mama´s Factory. Seither wird „Ketchup No. 2“ hergestellt - das Rezept bleibt geheim. „Nur mein Mann kennt es – und war schon Feuer und Flamme, als ich nur die Zutaten aufgezählt habe.“ Aber von der Theorie bis zum fertigen Produkt ist der Weg lang: Es gehört ein Auge dazu, die richtigen Tomaten zum richtigen Zeitpunkt auszusuchen und sie mit Liebe und Sorgfalt zu behandeln. Das kann beileibe nicht jeder.
Liebe zum Beruf hat Simone Schmitt schon als Kinderkrankenschwester gehabt. Sie ist in Duisburg geboren. Das pralle Leben dort hat sie wenig begeistern können. „Ich bin mit 15 weg gegangen – Gott sei dank nach Düsseldorf.“ Sie denkt gern an die kleinen Patienten in der Klinik: „Die waren total dankbar.“ Das war auch der Grund, warum sie später in einer Kinderarzt-Praxis gearbeitet hat.
Beim Experimentieren in der Familienküche ist auch ein Eierlikör mit Kirsch kreiert worden, der mit dem, den sich Großmama eingoss, nicht viel zu tun hat. Likör sei sicher eine Modeerscheinung, meint Simone Schmitt. Aber doch nicht so kurzlebig wie gedacht. Es stellte sich heraus, dass es viele Fans des Eierlikörs gibt, die die aufgepeppte Variante aus Mama´s Factory chic finden. Und köstlich zu Eis oder kleinen Kuchen.
Nach zwölf Stunden einkochen und veredeln „klebt die Küche“, sagt Simone Schmitt. Das doppelte „t“ im Namen hat ihr der Sonnenberger Pfarrer übrigens so erklärt: Das sei die katholische Variante des Familiennamens - der in allen Schreibweisen Platz eins in der Liste der häufigen Familiennamen in Deutschland einnimmt. Wenn die Küche klebt, wird sie gewienert. Die Schmitts brauchen sie auch noch für das ganz normale Familienleben. Und Simone Schmitt braucht sie für neue Versuche mit neuen Marmeladen: Geht Himbeere mit roter Bete und wie kriegt man einen Bratapfel mit Rosinen-Rum so hin, dass er geschmeidig ins Glas passt?
Seit Mama´s Factory vor einem halben Jahr an den Markt ging, hat das Ein-Frau-Unternehmen tausend Gläser gefüllt. Damit ist die Arbeit aber nicht getan. Jedes bekommt ein Top - aus Leinen. Dazu malt sich Simone Schmitt Kreise auf den Stoff und schneidet sie mit der Zackenschere aus. Zum Schluss wird das Etikett noch mit der Hand beschriftet: „Apfelgelee mit Calvados“ steht dann vielleicht in schwungvoller Schrift darauf. Oder „Erdbeere mit Grand Marnier“ - in der Saison sehr beliebt. Außerhalb geht das Ganze auch mit tiefgefrorenen Früchten und viel Enthusiasmus. Die Kombination Hagebutte-Apfel ist apart – aber schwierig. Sammelt Simone Schmitt doch die roten Früchte von Wildrosen auf Föhr.
Manchmal überkommt sie die Einsicht: „Als Marmeladenköchin bin ich schon sehr speziell.“
Wer mehr über die Marmeladen erfahren möchte, kann das unter www.mamas-factory.de tun.